dirigentin im publikum

dirigentin
 

ich bin das a und das o, der Anfang...

ich
 

im Anfang war das Spiel

im
 

der Chor und die tänzerin

der
 

der chor

der
 

klangwelten entstehen

klangwelten
 

...das ende

...das

kloster kappeln am albis 2015

performance im anfag war...

konzept lilian frei 
tanz vita malahova
stimme amira ursula saadeh
chor aus vielen stimmen dirigiert von lilian frei
in stein gehauene buchstaben lilian frei
fotos sarah frei
>video schnitt sarah frei 

 Performance in Kappel, 4. April 2015 

"Als die Erdgöttin die Menschen schuf, hatte sie gerade frisch gebadet. Sie überlegte sich, ob die Menschen zwei sein sollten oder nur eines. Sie schaute an sichhinunter, erfreute sich ihrer rosaroten Mondscheiben und entschied, es sollten zwei sein, mit einem Anfang und einem Ende, mit Geburt und Tod. Ausserdem überlegte sie, dass ein einzelnes grosses Haus gebaut werden müsste, mit grosser Kanzel und ganz viel freiem Raum vorne zum Tanzen und Singen. Die Erdgöttin lächelte, als alles fertig war und verwandelte sich in einen Schmetterling und starb bald.

Eine Künstlerin nahm jene Kirche ein, stellte 15 Sprecherinnen und Sprecher an die hintere Wand, eine Tänzerin und eine Sängerin davor. Zwei Sprecher sprachen oben auf der Kanzel das A und O und vom Beginn und vom Schluss, die anderen sprachen flüsternd und rufend unten. Die Tänzerin tanzte das Leben, sich windend am Boden und sich aufbäumend an der Säule. Die Sängerin hauchte dem Raum Geräusche ein und dem Publikum Gänsehaut über den Rücken. Tote Buchstaben aus gehauenen Steinen werden schliesslich bewegt, so dass eine neue Ordnung entstehen möge.

Wie so oft, wenn Lilian Frei sich ein künstlerisches Projekt einverleibt und den Menschen schenkt, geht’s ums Ganze. Ohne Wenn und Aber. Die Künstlerin mit ihrer rosaroten Badekappe versteht es, die Performerinnen und Performer mit einer lockeren Unschuld von einer Kirchenbank aus zu dirigieren. Die aktiven und zuschauenden Menschen, die oft das erste Mal mit derartiger Kunst in Berührung kommen, sind mit heiligem Ernst und gesunder Inbrunst dabei. Die Einfachheit des gesprochenen Wortes: „ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende“, die Wortkaskaden über- und nebeneinander berühren und bewegen. Am Ostersamstagnachmittag wird so die Osternacht vorbereitet, dieses Ereignis der leiblichen Wiederverknüpfung von Mensch und Gott, der Rückkehr Jesu in den Himmel. Transzendenz ist in der Klosterkirche so sinnlich und etwas schrill, auch unerwartet und gleichzeitig repetitiv erfahrbar."

Thomas Lempert

 

Performance Kappel am Albis,  4. aprile 2015

"Come accade spesso quando Lilian Frei s'immerge in un progetto artistico e lo offre alla gente, non ci sono mezze misure. Non ci sono se e non ci sono ma. L'artista, con la sua cuffia rosa, sa come guidare le performer e i performer con perfetta innocenza da un banco da chiesa. Le persone attive e gli osservatori, che spesso entrano in contatto per la prima volta con questo tipo di arte, vi partecipano con una serietà quasi religiosa e sincero fervore. L'artista ha occupato questa chiesa, ha posto 15 oratori nella parete di fondo, davanti a loro una ballerina e una cantante. Due oratori declamavano dal pulpito, dalla A alla Z e dell'inizio e della fine, gli altri, sotto, parlavano sussurrando e chiamando. La ballerina ha danzato la vita, torcendosi sul pavimento e rizzandosi a una colonna. La cantante ha fatto venire la pelle d'oca al pubblico animando lo spazio con suoni. Lettere morte di pietre scolpite sono state finalmente messe in moto, affinché potesse sorgere un nuovo ordine." Thomas Lempert